Vom Summen und Brummen

Erst kürzlich wurde im Radio Ö1 ( 30.April 2013 ) ausführlich darüber berichtet, dass die EU-Kommission sich für die nächsten zwei Jahre dafür ausgesprochen hat, drei Sorten von Pestiziden am Markt zu verbieten, die unter anderem am Bienensterben mitverantwortlich sein sollen.

Marillen

Pestizide, sogenannte Neonicotinoide –klingt ja auch ganz harmlos!

Unser Landwirtschafts- und Umweltminister Nikolaus Berlakovich, seines Zeichens Vertreter des Umweltgedankens und gleichzeitig Lobbyist für die Planzenschutz(?)industrie -ein österreichisches Faktotum-, stimmte, wie kann es anders sein, gegen diesen Vorschlag. Es lägen keine entsprechenden wissenschaftlichen Studien vor, die belegen würden, dass diese Pestizide, sogenannte Neonicotinoide –klingt ja auch ganz harmlos!- den Bienen an „den Kragen bzw. an den Stachel“ gingen.

Das Verstummen unserer kleinen höchst effizienten Artgenossen hat sich seit längerem angekündigt. Jedes Jahr im Frühling, bei Kirsch-, Marillen- oder Apfelblüten kann ich nur mehr spärlich die arbeitsamen Bienchen an meinen Bäumen bei ihrer Tätigkeit beobachten.

Was Bienenzüchter, Imker und Biobauern schon seit Jahren befürchteten, dass nämlich die Bienenvölker durch aggressive Pilzerkrankungen, Milbenbefall, der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln und langen Wintern in ihrem Fortbestand gefährdet sind, geht scheinbar an den tauben Ohren unserer politischen Vertreter vorbei.

Da summt wahrscheinlich ein anderer, finanziell lukrativerer Gedanke in den Ohren, als die lästigen Viecher zu schützen. Es gibt bekanntlich keine wissenschaftlichen Studien darüber, ob Fliegen, Mücken, Hummeln oder Wespen das kompensieren können, was Bienen tagtäglich für die Menschen leisten. Mir ist auch nicht ins Ohr gesummt worden, dass diese Insekten als nettes Nebenprodukt Honig produzieren könnten.

Früher stahl man Radios, Fernseher oder Autos.

Der einzige Imker, den es in unserem Dorf noch gibt (früher hatte fast jeder bäuerliche Betrieb Bienenstöcke!) erzählte mir erst kürzlich, dass  ihm alle Bienenvölker gestohlen wurden. Eigenartig, dachte ich mir, früher stahl man Radios, Fernseher oder Autos.

Marmeladebrot
Was ist nur los mit den Menschen?

Aber vielleicht glaubt man eben wie in der Wirtschaft an die biologischen Selbtsregulierungsmechanismen am Bienenmarkt. Die Pflanzen werden sich halt was anderes einfallen lassen müssen, entweder locken sie Hummeln, Wespen oder Hornissen an oder vertrauen darauf, dass sie der Wind bestäubt.

Ob das so schnell gehen wird, sei dahingestellt. Bis dahin werden die subventionierten Großbauern ihre Raps-, Mais,- und Sonnenblumenfelder weiterhin mit aggressiven Pestiziden spritzen, scheißegal ob die Bienen sterben oder nicht, und wenn keine mehr da ist, kann man sie ja von woanders klauen oder das Saatgut genetisch dermaßen verändern, dass es sich selbst bestäubt…

Die Kinder werden in Zukunft in der Schule nicht mehr ihr Liedchen „summ, summ summ, Bienchen summ herum“ trällern, die Obstbäume werden weniger Früchte tragen und die „Summsi-Sparbücher“ der Raiffeisenbanken werden in Zukunft das Konterfei einer Hornisse tragen, was zwar nicht einladend ist, aber so ist nun mal das Spiel der freien Märkte, -vielleicht käme das in Anbetracht am Boden liegender Kapitalmärkte der Wahrheit ohnehin näher- .

Wer daran schuld ist?

Die, die sich immer noch hinter wissenschaftlichen Studien zu verstecken.
Blöd ist nur, dass die Bienen dran glauben müssen.

Mag. Katharina Grabner-Hayden
http://www.amalthea.at/
http://www.franz-sales-verlag.de/

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Veröffentlicht in Wirtschaft
One comment on “Vom Summen und Brummen
  1. Mag. Katharina Grabner-Hayden studierte Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, ist verheiratet, Mutter von vier Söhnen und damit nicht genug, auch erfolgreiche Autorin. Der alltägliche Wahnsinn in einer Familie ist eines ihrer Lieblingsthemen. Zwischen 1998 und 2005 schrieb Grabner-Hayden für eine deutsche Zeitschrift Kolumnen zum Thema „Frau sein“. 2005 erschien der historische Roman „Löschen“, 2009 der Roman „Drei Leben“ und 2011 erschien ihr Satireband „Jeden Tag ist Muttertag“ im Amalthea Verlag. Jetzt ist der Folgeband „Ein himmlisches Chaos“ erschienen. Mag. Katharina Grabner-Hayden lebt und arbeitet in der Nähe von Krems, Niederösterreich.

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