Karriereplanung – Theorie und Praxis

Damenschuh

Wenn ich meinen Berufsweg rückblickend betrachte so wird doch ein kontinuierlicher Aufstieg in der Karriereleiter erkennbar. Aber als ich einst von einer Freundin gefragt wurde:

„Was ist dein Karriereplan?“

konnte ich gar keine Antwort geben und empfand, dass ich mit meiner derzeitigen Arbeitssituation zufrieden bin. Natürlich war mir das Thema der Karriereplanung aus den Managementkursen, Ausbildungen und Literatur bekannt, doch auf mich selbst umgelegt war es mir offensichtlich kein wirkliches Bedürfnis darüber nachzudenken.

Mein beruflicher Einstieg war als diplomierte Ergotherapeutin an der Universitätsklinik der Kinder- und Jugendneuropsychiatrie am Allgemeinen Krankenhaus Wien. Die dreijährige Ausbildung begann ich fast gleichzeitig mit der Geburt meiner Tochter, so dass auch mein Berufsanfang mit einem dreijährigen Kind startete und die Doppelbelastung Familie und Arbeitssituation spürbar war. 1976 war der Beruf der Ergotherapie noch sehr unbekannt und meine Aufgabe war es als erste Ergotherapeutin an der Klinik mit der Einrichtung, dem Aufbau aber auch der inhaltlichen Positionierung der Therapie zu beginnen. Die

Erwartungen an mich und meine therapeutischen Vorstellungen ließen mir viel Freiheit und Initiative und auch ein hohes Maß an Selbstbestimmung. An ein höher klettern auf der Karriereleiter dachte ich damals nicht, denn erstens gab es nur eine Stelle für die Ergotherapie und die bekleidete ich selbst und die Ausgewogenheit mit Familie und Beruf erfüllte mich mit großer Zufriedenheit und Glück.

Als ich mein erstes Buch über Teilleistungsstörungen schrieb und der akademische Grad plötzlich eine Rolle spielte begann ich mit dem Studium der Pädagogik und Psychologie.

Es sollte mir nicht länger nur wegen des Titels jemand vorgezogen werden. Das Kind war bereits sechs Jahre und somit konnte ich das Hochschulstudium, die volle Arbeitsverpflichtung und die Familie vereinbaren. Mit der Dissertation und dem Erlangen des Doktortitels begannen auch erste bewusste Überlegungen meiner beruflichen Weiterentwicklung einher zu gehen. Organisatorische Fragen haben mich schon immer interessiert, den Vorsitze im Berufsverband der ErgotherapeutInnen übte ich vier Jahre aus und während des Studiums war ich die StudentInnenvertreterin im Interfakultären Institut der Sonder- und Heilpädagogik.

An der Wirtschaftsuniversität Wien absolvierte ich einen Hochschulkurs für Krankenhausmanagement und bewarb mich als „Akademisch geprüfte Krankenhausmanagerin“ für eine Führungsposition in der Direktion des noch nicht eröffneten Krankenhauses „Sozialmedizinisches Zentrum Ost – Donauspital“. Von 1991 bis 2009 war ich dort für etwas mehr als 300 MitarbeiterInnen der Medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufe zuständig. Was war mir wichtig? Was trieb mich an? Was bedeutet Führung in einer Non Profit Expertenorganisation für mich?

Die hohe Zahl an unterschiedlichsten Berufen und somit vorhandenem Expertenwissen bedeutet für mich keinen direkten Einfluss zu nehmen in das tägliche Geschäft der verschiedensten Betriebsstellen wie Labor, Strahlentherapie, Röntgen, Nuklearmedizin Physio- oder Egotherapie, Operationsbereich …. Sehr wohl interessierten mich die Rahmenbedingungen, strukturellen und organisatorischen Voraussetzungen. Da das Krankenhaus bei meinem Arbeitsbeginn noch in der Planungsphase war beschäftigte ich mich zunächst mit Personalplanung und  Personalrecruiting. Es gelang mir bei der Eröffnung des Donauspitals alle bewilligten Dienstposten mit qualifiziertem Personal zu besetzen. Der Aufbau von Kommunikationsstrukturen und Vernetzungen war eine mir wesentliche Herausforderung. In standardisierten, festgelegten Strukturen entwickelte sich ein „Heimatgefühl“ bei dem mir unterstellten Personal.

Persönliche Anerkennung und vor allem Wertschätzung aller MitarbeiterInnen – egal welcher Hierarchiestufe diese angehören – sind mir immer wichtig gewesen; so gesehen schlägt sich offensichtlich das theoretische Studium der Erziehungswissenschaft nieder.

Zusätzlich zum täglichen Geschäft gaben mir zahlreiche Projekte positive Rückmeldungen als Expertin wahrgenommen zu werden. Dieses Wissen konnte ich auch nach meiner Pensionierung noch weiter nützen in Form von Projekten und Vorlesungstätigkeit an Universitäten, Fachhochschulen oder anderen Organisationen.

Mut zu Veränderungen, Entwicklung eines Menschenbildes für die Führungstätigkeit und auch Widerstand leisten können in kritischen Phasen scheinen mir wesentliche Fragen im Management zu sein!

Advertisements
Tagged with: , , , ,
Veröffentlicht in Powerfrauen
One comment on “Karriereplanung – Theorie und Praxis
  1. Dr. Eva Friedler ist Akademisch geprüfte Krankenhausmanagerin und
    Eingetragene Psychotherapeutin
    Aus ihrem umfangreichen Portfolio möchte ich hier einige Projekte hervorheben:
    – Koordinatorin des Projektes „Standardisierter, elektronischer Informationstransfer“,
    ein Wien weites Projekt im Rahmen des PIK Projektes. Ende 2012 abgeschlossen
    – Vorlesung an der Universität Krems. „Management und Ergotherapie“
    – Mitarbeiterin im Arbeitskreis „Integrative Maßnahmen im Gesundheits- und Spitalswesen der Stadt Wien“ in der Wiener Spitalsreformkommission
    – Koordinatorin der Umsetzungsgruppe des PIK-Projektes „Standardisierter elektronischer Informationstransfer“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

Portrait 2017

Morgensonne Margit Marnul Selbstportrait Acryl auf Leinwand 2017

April 2013
M D M D F S S
    Mai »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930  
Flowers 2018

Blumen Acryl auf Leinwand Margit Marnul 2018

LÄUFT WAS IN WIEN?
http://www.falter.at/was-laeuft/events
  • Von der Mikroökonomie des Geistes
    Vor einigen Wochen fragte mich mein Sohn beim Lesen einer Zeitungskolumne, was denn eigentlich unter dem Begriff des homo oeconomicus zu verstehen sei. Ich atmete kurz durch, mein Studium der Betriebswirtschaftslehre liegt nun auch schon einige Jahre zurück und versuchte es ihm durch ein anschauliches Beispiel zu demonstrieren: „Schau mein Kind, das hat alle […]
  • Ich kann nichts dafür...
    Assoziation ist die Verknüpfung von Reizen, so haben wir es in der Schule gelernt. Herr Pawlow wurde ja berühmt mit seinem Hundeexperiment: Ein neutraler Reiz (z. B. Klingeln einer Glocke), löst eine bestimmte, zuvor mit einem anderen Reiz (Anblick oder Geruch von Futter) verknüpfte Reaktion aus – Hunger. Diesem primitiven Reiz-Reaktionsschema kann sich der […]
%d Bloggern gefällt das: